Der SC Haßbergen hat turbulente Monate hinter sich. Nach dem Bezirksliga-Abstieg der Serie 2024/25 folgte eine Saison in der Fußball-Kreisliga, in der die Mannschaft phasenweise um die Spitzenplätze mitspielte und ins Kreispokal-Finale (1:3 gegen den SV GW Stöckse) einzog. Nun beginnt an der Pappelkampfbahn das nächste Kapitel – mit einem neuen Trainerteam, einem klaren Konzept und einem Kader, der stärker denn je die Handschrift des Vereins von der Pappelkampfbahn tragen soll.
Manuel Henne übernimmt zur Saison 2026/27 die Verantwortung an der Seitenlinie von SCH-Urgestein Lars Büsing und seinem Partner Koray Vurus. Der 38-Jährige ist kein externer Hoffnungsträger, sondern ein echtes Eigengewächs. Seit fast einem Vierteljahrhundert trägt er die Farben des SCH, sieben Jahre lang begleitete er verschiedene Nachwuchsmannschaften bis hoch in die A-Junioren. Nun folgt der Schritt in den Herrenbereich – gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Christian „Hanffi“ Rosenberger als Co-Trainer sowie Michael Ahrens als neuem Torwarttrainer.
Haßbergens neuer Coach Manuel Henne war mit den Auftritten seiner Jungs in der Vorbereitung zufrieden.
Dass der Verein dabei bewusst auf interne Lösungen setzt, ist kein Zufall. Haßbergen verfolgt konsequent den eingeschlagenen Weg, junge Spieler aus der eigenen Ausbildung in den Mittelpunkt zu stellen. Henne und Rosenberger kennen einen Großteil des heutigen Kaders seit vielen Jahren – genau darin sieht der neue Chefcoach einen entscheidenden Vorteil. „Viele kennen sich, haben schon in der Jugend zusammengespielt. Die Teamchemie ist jetzt schon wirklich richtig gut“, sagt Henne. „Man merkt einfach, dass sich die Jungs seit Jahren kennen. Wir hatten deshalb überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten.“
Dieses vertraute Miteinander soll einer der größten Pluspunkte des SCH werden. Während andere Mannschaften nach Trainerwechseln zunächst Zeit benötigen, setzt Haßbergen auf Kontinuität statt Umbruch. Fast alle Spieler wurden entweder von Henne oder Rosenberger bereits im Jugendbereich trainiert. Auch sportlich gefällt dem Trainer, was er bislang sieht. Zwar fehlten in der Vorbereitung aufgrund von Urlauben und Verletzungen immer wieder einige Akteure, dennoch fällt sein erstes Zwischenfazit positiv aus. Henne: „Bisher bin ich sehr zufrieden. Die Jungs zeigen sich in den Trainingseinheiten und den Testspielen richtig gut.“
Ein erster Fingerzeig war der erstmals ausgetragene „Drei-Länder-Pokal“ auf der heimischen Pappelkampfbahn. Der SCH präsentierte sich gegen starke Konkurrenz auf Augenhöhe, erreichte das Finale und musste sich dem Bezirksligisten SV BE Steimbke erst im Elfmeterschießen geschlagen geben. Besonders ärgerlich: Der Ausgleich zum 1:1 fiel erst in der Schlussminute. Dennoch wertete Henne den Auftritt als Bestätigung: „Damit waren wir sehr zufrieden. Das Auftreten hat gepasst.“ Die größte Verstärkung kommt in diesem Sommer allerdings nicht von außen, sondern kehrt nach Hause zurück. Mit Sönke Ubben wechselt ein langjähriger Haßberger vom Landesligisten TSV Mühlenfeld zurück an die Pappelkampfbahn. Der 27-Jährige soll als Führungsspieler Verantwortung übernehmen und vor allem den vielen jungen Spielern Orientierung geben. „Er zeigt genau das, was wir uns erhofft haben“, lobt Henne. „Er strahlt mit seiner Qualität auf die anderen Spieler ab, gerade auf die Jüngeren. Er hilft, wo er kann.“ Seine Rolle sieht der Trainer im zentralen Mittelfeld. Dort soll Ubben als spielstarker Achter das Spiel lenken und mit seiner Erfahrung Stabilität verleihen.
Neben Ubben verstärken auch Clemens Andermann, Jannik Hesse sowie A-Junior Lasse Heidorn den Kader. Dem gegenüber stehen die Abgänge von Niklas Schierholz, Lennart Büsing, Jonas Frank und Mike Ziehm. Insgesamt bleibt das Grundgerüst der Mannschaft jedoch erhalten.
Besonders gespannt blickt Henne auf einen Spieler, der bislang kaum seine Möglichkeiten zeigen konnte. Rechtsverteidiger Phillip Becker musste nach einem Kreuzbandriss fast zwei Jahre auf seine Chance warten. Nun scheint der Durchbruch greifbar. Henne: „Bei ihm freut mich das extrem. Er bringt so viel Energie und Dynamik ins Training. Man merkt einfach, wie sehr er Bock auf Fußball hat.“
Überhaupt verfügt der SCH inzwischen über eine bemerkenswert junge Mannschaft. Zahlreiche Spieler der Jahrgänge 2005 bis 2008 gehören inzwischen fest zum Kreisliga-Kader. Namen wie Jarno Land, Petter Herzog, Marlon Hesse, Fabio König, Luca Schwab, Kyrylo Kutsenko oder Collin Ahrens stehen exemplarisch für den eingeschlagenen Weg. Ergänzt wird diese Generation von erfahrenen Kräften wie Keeper Ruben Cordes, Jan Beermann, Azad Ali, Claas Bergmann oder Torjäger Peyman.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Ausgangslage deutlich verändert. Damals stand nach dem Bezirksliga-Abstieg zunächst der Neuaufbau im Mittelpunkt. Das Saisonziel lautete lediglich ein einstelliger Tabellenplatz. Heute sind die Ansprüche gewachsen: Top-Fünf lautet das offizielle Ziel des neuen SCH-Trainergespanns. Verstecken möchte sich in Haßbergen also niemand. Henne: „Wir haben einfach ein sehr talentiertes Team.“ Beim SC Haßbergen beginnt deshalb keine Revolution. Vielmehr setzt der Verein konsequent auf seine eigene DNA – mit viel Geduld, großer Identifikation und der Hoffnung, dass aus einer eingeschworenen Gemeinschaft schon bald wieder ein ernsthafter Anwärter auf die Spitzengruppe der Fußball-Kreisliga wird.
ANALYSE
Der SC Haßbergen setzt seinen eingeschlagenen Weg konsequent fort. Statt auf zahlreiche externe Verstärkungen vertraut der Verein auf die eigene Jugendarbeit und ergänzt den jungen Kader gezielt mit erfahrenen Spielern wie Rückkehrer Sönke Ubben. Mit Manuel Henne und Christian Rosenberger übernimmt zudem ein Trainerteam, das nahezu alle Spieler seit Jahren kennt. Die große Stärke dürfte daher die mannschaftliche Geschlossenheit sein. Gelingt es, die zahlreichen Talente weiterzuentwickeln und die verletzten Leistungsträger schnell wieder zu integrieren, besitzt der SCH das Potenzial, dauerhaft in der Spitzengruppe der Kreisliga mitzuspielen.
PROGNOSE
Der SC Haßbergen wird sich wieder im oberen Tabellendrittel etablieren und sollte bis zum Saisonende um die Top-Fünf-Plätze kämpfen. Für den ganz großen Wurf braucht die junge Mannschaft vermutlich noch etwas Konstanz, doch die Mischung aus Eigengewächsen, Erfahrung und eingespieltem Trainerteam spricht für eine erfolgreiche Saison: Platz 4
DH - H. Nussbaum - 30.07.26